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Tranquilo

TranquiloBei allem was man in Paraguay tut um mit einheimischen in Interaktion zu treten ist wichtig zu wissen: Tranquilo! Immer mit der Ruhe. Hier geschieht nichts sofort, in den seltensten Fällen jedenfalls. Man braucht immer Geduld und muss immer damit rechnen, daß etwas gerade nicht getan werden kann, weil irgendwer gerade keine Lust hat oder mal wieder Stromausfall oder schlechtes Wetter und dadurch unpassierbare Straßen eine Lieferung verzögern oder oder oder…

Gestern z.B. sollte mein Gastgeber einen LKW voller Steine für den Bau seiner Grundsstücksmauer geliefert bekommen. Durch den Regen der letzten Tage waren die Wege ziemlich aufgeweicht, was hier nichts ungewöhnliches ist. Außerhalb des Stadtgebietes sind nur die Rutas asphaltiert, alle anderen Straßen und Wege sind mehr oder weniger breite Feldwege und entwickeln sich an regenreichen Tagen in regelrechte Schlammpisten. Dennoch haben die Jungs versucht, den LKW hierher zu lenken, mit dem Ergebnis, daß sie im Schlamm stecken geblieben sind und den Karren festgefahren haben.

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Die Reaktion der Paraguayos darauf völlig locker. Erst mal Terere trinken, eine Art Matetee, der hier irgendwie jeder konsumiert. Die Lösung wäre, einen zweiten LKW besorgen -das hat dann übrigens der Kunde, also mein Gastgeber, erledigt- und dann in aller Ruhe alle Steine aus dem festgefahrenen LKW in den herbeigeholten umladen. Da der herbeigeholte LKW kleiner war, mussten natürlich mehrere Fahrten mit umgeladenen Steinen durchgeführt werden, damit der erste LKW leer wurde. Im Leerzustand des LKW konnte das Fahrzeug dann mit gefühlten 50 vor- und zurück Rangierversuchen schlussendlich aus der misslichen Lage befreit werden.

Das für deutsche Verhältnisse rätselhafteste an der ganzen Situation war, das niemand, aber auch wirklich niemand während der ganzen Aktion auch nur einmal geflucht hätte, noch nicht mal ein grimmiges Gesicht gezogen, oder ähnliches. Solche Vorfälle gehören für den Paraguayer irgendwie dazu, er betrachtet sie völlig Wertungsfrei. In Deutschland wäre dadurch eine mittlere Katastrophe ausgelöst worden, irgendwer hätte eine Herzattacke bekommen und irgendwer anders wäre entlassen worden. Hier nimmt man das Leben einfach wie es ist und ist einfach nur glücklich dabei...

 

tranquilo03Terere - ein Symbol der paraguayischen Tradition und Kultur. Eine Art Matetee, er besteht aus einer Kräutermischung, die mit gekühltem Wasser übergossen wird und immer kalt getrunken wird. Nahezu jeder im Lande hat jeden Ttranquilo04ag seine Thermoskanne mit kaltem Wasser am Mann, an deren Seite sich eine Schlaufe für den Trinkbecher befindet. Terere ist eine Kräutermischung, die man sowohl fertig im Supermarkt kaufen kann, aber traditioneller, bei Kräuterverkäuferinnen an der Straße. An kleinen Ständen kann man sich aus einer Auswahl von vielen verschiedenen Kräutern seine eigene Mischung zusammenstellen. Die Kräuter werden vor Ort frisch gehackt und sind sofort genußfertig oder können natürlich auch verpackt mit nach Hause genommen werden. Busfahrern z.B. tauscht man während der Fahrt kostenlos die Thermoskanne aus, damit diese sich den Tag über mit Terere versorgen können.