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Freud und Leid

...liegen oft sehr nah beieinander.FreudUndLeid01

Heute war bereits am frühen Morgen helle Aufregung auf der Burg. Seit einiger Zeit liegt die altersschwache Ziege Lulu im sterben. Und als David heute morgen wie jeden morgen, die Ziegen auf die Weide führen will, sieht er daß bei Lulu zwei winzige Vorderläufe herausschauen. David verständigt sofort seiner Mutter, die herbei eilt und versucht der Ziege und dem Nachwuchs behilflich zu sein, auch Wil kam dazu. Das Kleine steckte bereits die Vorderläufe an die frische Luft und da die Ziegenmutter in ihrer Verfassung nicht mehr die Kraft hatte die Geburt zu vollenden, waren Hilde und Wil behilflich, zogen das Kleine vorsichtig aus der Mutterziege und wurden so mit einem kleinen Zieglein beschenkt. Aufgrund des Zustands von Lulu, sie ist bereits sehr dürr und abgemagert, war es bisher nicht erkennbar, daß sie Junge erwartet.

FreudUndLeid02 Ein wunderschönes süßes grau-braun gemustertes neues Leben torkelte fortan unkontrolliert und lauthals meckernd durchs Ziegengehege. Damit das Kleine mit Nahrung versorgt werden kann, wurde zunächst die Milch der Mutter abgemolken. Als nächstes wurde versucht, ob sich eine andere Ziegendame als Amme eignet. Also wurde die kleine Herde von der Weide zurück geholt und der Versuch gestartet, eine passende Ersatzmutter zu finden. Leider erklärte sich wohl niemand der Mädels bereit, den Job zu übernehmen. Nach der ersten Aufregung ging Wil erneut zu der immer noch im Sterben liegenden Ziegenmama um nach ihr zu sehen.

Voller Erstaunen und Überraschung steckte eine weitere kleine Ziege ihre Fellnase an die Luft. Ein zweites mal brauchte die Ziegenmama Hilfe, damit ein weiteres Jungtier das Licht der Sonne erblicken konnte. Auch dieses hat alles gut überstanden und torkelt nun ebenfalls lustig im Gehege rum. Die beiden Kleinen meckerten von nun an gemeinsam fleißig herum und das konnte nur eines bedeuten; Hunger! Die zuvor von der Mutterziege abgemolkene Milch wurde dem Nachwuchs mit einer großen Spritze verabreicht um den ersten Hunger der Jungen zu stillen. Weiterhin wurde eine der anderen Ziegen gemolken und die so gewonnene Milch versucht, dem frischen Wurf mit eher mäßigem Erfolg einzutrichtern. Die Fütterung mit einer Spritze stellte sich als nicht die ideale Lösung heraus. Angesichts der Tatsache, daß man weder Ziegennachwuchs erwartet hatte, noch sonst wie auf diese Situation vorbereitet war, war dies jedoch die einzige Lösung, den kleine Ziegen die erste Nahrung zu verabreichen. Kira eilte nun los, um 2 kleine Fläschchen zu organisieren, was hier auf dem Land nicht unbedigt auf Anhieb klappt.

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Bis es so weit war, daß Fläschchen verfügbar waren, wackelten die Kleinen weiterhin kräftig meckernd durch die Gegend und versuchten an allem zu saugen, was ihnen in die Quere kam. David fuhr in der Zwischenzeit ebenfalls los, um bei einem Nachbarn weitere Zeigenmilch zu organisieren. Nach dem nun alles vorhanden war, fütterten Kira und Hilde die beiden Neulinge mit den Fläschchen und alles war gut. Kein Geschrei mehr, gefräßige Stille und danach fielen die Kleinen in den ersten Schlaf in ihrem neuen Leben. Damit in Zukunft genügend Milch für den Nachwuchs vorhanden ist, überlegt der Familienrat, ob eine weitere trächtige Ziege angeschafft werden soll. Bis dahin kümmert sich Kira mit wachsender Begeisterung um die Fütterung des neuen Ziegengeschwisterpaares.

Wie es Lulu geht, kann man nicht sagen. Wie gesagt, hat sie sich ja bereits vor Tagen zur Ruhe gelegt, um sich auf den Übergang vorzubereiten. Daß sie in dem Zustand noch zwei gesunde Junge geworfen hat, grenzt schon an ein Wunder. Offensichtlich hatte sie nicht vor zu gehen, bevor ihre letzte Aufgabe vollständig erfüllt ist und der Nachwuchs gesund und sicher aufwachsen kann. Lulu erhält von allen hier Beistand, Mitgefühl und man ist für sie da. Mehr kann man wohl nicht tun.

Nachtrag Sonntag, 7. Oktober 2018
In der Nacht ist Lulu über die Regenbogenbrücke gegangen, sie hat losgelassen und den Weg auf die andere Seite gewählt. Gegen drei Uhr in der früh wurde ich von Windgeräuschen aufgweckt, da durch den Wind der Deckel der Dachluke klapperte. Ich ging hoch um sie zu schließen, doch anstatt die Luke gleich zu schließen, entschied ich  mich nach oben auf den Turm zu gehen und einen Moment dort zu verweilen. Es waren nur wenge Minuten, in denen der Wind etwas auffrischte. Ob Lulu diesen Moment gewählt hat, um sich davon tragen zu lassen? Sie bleibt uns als eine unglaublich willensstarke alte Lady in Erinnerung, die ihre letzte Kraft aufgewendet hat, zwei kleinen süßen Zieglein das Leben zu schenken und uns damit eine große Freude bereitet hat. Sie lebt in den Kleinen weiter.

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