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Kriminalität, Korruption und Drogen

Ein interessantes Thema, kann ich da nur sagen. Für mich sind das drei Gründe um zu flüchten. Aus Deutschland. Politiker, allesamt korrupt. Die Kriminalitätsrate steigt seit Jahren dank Merkels Fachkräfte den Himalaya empor und Drogen, ja die gibt es auch an jeder Ecke und in jeder gewünschten Menge zu kaufen. Nicht daß ich Paraguay diesbezüglich über den grünen Klee loben möchte, aber bevor man irgendwelche Horrorgeschichten von anderen Ländern verbreitet, gilt es - wie so oft, erst mal vor der eigenen Haustüre zu kehren.

Zugegebenermaßen ist vor allem die Korruption hier in Paraguay wesentlich sichtbarer als in Deutschland. In beiden Ländern kann man, entsprechende Patte in der Gesäßtasche vorausgesetzt- alles kaufen. Während im Industrieland die Lobbyisten mit Koffern, prall gefüllt mit bunten Papierschnipseln die Politiker für ihre interessen überreden, bessern sich z.B. Polizisten ihr Einkommen in Paraguay mit saftigen Knöllchen auf, deren Höhe in keiner Relation zu dem "Vergehen" stehen. Einmal habe ich mich bisher in einer solchen Situation gefunden.

Bei meiner dritten Reise hatte ich mich entschieden, einen Leihwagen für ein paar Tage zu mieten. Also fuhr ich mit dem Bus in die City von Asunción und suchte eine Mietstation auf. Nachdem die Formalien geklärt waren, es war schon später Nachmittag und damit Rush-hour, fuhr ich dann los und stürzte mich in den Verkehrshorror. Da ich hier ja auch nicht jeden Winkel kenne, nutzte ich mein Handy als Navi um mich erst mal wieder zurecht zu finden. An einer großen Kreuzung bat Frau Navi mich dann links abzubiegen, doch genau das war an dieser Kreuzung verboten und es dauerte auch nur Sekunden bis die blauen Funken von Paraguay mir die Ehre erwiesen. Zwei nette junge Männer in Aussicht auf eine vorzeitige Weihnachtsgratifikation lösten in mir gelinde gesagt, ein überdurchschnittliches Unwohlsein aus, als sie mir klar machten, daß sie für das verbotene Linksabbiegen sportliche 500 Dollar haben wollten. Die Schnappatmung war da noch die geringste Reaktion.

Leider war ich nicht vorbereitet, denn es ist eine goldene Regel hier, im Straßenverkehr immer zwei Geldbörsen dabei zu haben. Eine "normale" und eine weitere für genau solche Fälle, wenn man von der Polizei angehalten wird. Diese hat dann im Idealfall neben ein paar Dollar noch Zwiebeln als Inhalt (Wenn man rein schaut kommen einem die Tränen :-) )

Nun, für welche Taktik sollte ich mich entscheiden? Ich wählte den armen Ausländer, der kein Wort Spanisch spricht, um sie aus der Ruhe zu bringen, doch das stellt sich bei Paraguayos ziemlich schwierig dar, da sie die Geduld für gewöhnlich mit in die Wiege gelegt bekommen. Aufgrund der enormen Summe, also 500 Dollar, legte ich natürlich heftigen Protest ein und erklärte, so viel Geld nicht zu haben und es auch keine Möglichkeit gäbe, mehr Kohle zu beschaffen. Bevor einer der beiden in mein Auto stieg hatte ich die Gelegenheit, wenigstens einen Teil des Geldes aus meinem Portemonnaie raus zu ziehen und in die Hosentasche zu stopfen. Mein Herz schlug mir bei der Aktion bis zum Hals, aber es sollte sich später herausstellen, daß es belohnt würde.

Also, der eine stieg dann in mein Auto und der andere fuhr mit dem Motorrad hinter mir her. Zunächst hatte ich noch versucht meine Gastgeberin anzurufen, doch sie war leider nicht erreichbar. Toll! Wir fuhren dann etwa eine halbe Stunde kreuz und quer durch die Stadt und während dessen hat der Kerl neben mir mit allen verbalen Mitteln versucht heraus zu bekommen, wie viel Geld ich denn dabei hätte und wieso ich keines am Automaten ziehen könne. Ich erklärte, daß sich in meinem Portemonnaie meine gesamte Reisekasse befindet und ich lediglich für ein paar Tage auf Besuch sei. daher wäre nicht mehr Geld verfügbar. Und die Karten funktionieren in Paraguay nicht, was ja auch stimmt, da es EC Karten sind... :-) Also, das zur Verfügung stehende Verhandlungspotenzial lag bei 250.000 Guarani, umgerechnet etwa 38 Euro. Der Kumpel auf dem Beifahrersitz ließ erkennen, daß ihm das nicht genügen würde und meinte, wir fahren jetzt zur Polizeistation. Dieses Frage/Antwortspiel fand während der Irrfahrt genau dreimal statt. Im weiteren Verlauf fragte er mich dann, wie ich denn heißen würde. Aus dem harten Polizisten kam plötzlich der Paraguayo raus. Jetzt hatte ich ihn. Das war die Steilvorlage... :) Ich konnte ihn in ein simples Gespräch verwickeln und als wir dann an der Polizeistation ankamen, sprach er nochmal mit seinem Kollegen auf dem Motorrad und kam dann wieder ans Fenster auf der Fahrerseite. Nun dachte ich, jetzt schlägts dreizehn. Sein ursprünglich doch leicht unwirscher Tonfall änderte sich in ein freundliches Grinsen und er fragte höflich, ob er denn die bunten Scheinchen haben könne. Da ich die Jungs natürlich schnellstmöglich los werden wollte, gab ich ihm selbstverständlich die vorher angebotene Summe. Meine Hartnäckigkeit hat sich in dem Fall mal ausgezahlt.
Heilfroh, daß aus 500 Dollar nur 38 Euro wurden, machte ich mich schnellstens vom Acker und zwei Straßen weiter musste ich erst mal anhalten und durchatmen.

Was die Kriminalität angeht, kann ich Gott sei Dank nicht aus eigenen Erfahrungen berichten. Aber grundsätzlich gilt, wie in vielen anderen Ländern auch, in der Stadt sollte man sehr vorsichtig sein, spät Abends sind bestimmte Viertel zu meiden und es ist ratsam -vor allem als Europäer- nicht wie Graf Protz durch die Gegend zu laufen, dann könnte es gar am hellichten Tag unangenehm werden. Paraguay ist ein Land in dem viel Armut herrscht und nicht-Paraguayer gelten hier als Geldlieferanten.

Es gibt -ich nenne es mal eine Art ungeschriebenes Gesetz- daß besagt, begegne den Menschen auf Augenhöhe und mit Respekt, behandle sie so, wie auch du von anderen Menschen behandelt werden möchtest. Und das hat überall Gültigkeit, egal wo. Würde dies von der Menschheit befolgt, hätten wir ein paar Probleme weniger.

Und so ist es hier auch, die meisten Menschen hier sind nett, freundlich und immer gerne zu einem netten Plausch bei Terere bereit. Und wenn du dich mit dieser Einstellung hier aufhältst, findest du auch schnell gute Kontakte, die hier lebensnotwendig sind. Ohne Kontakte bist du in Paraguay verloren.

Auf dem Land sieht es wieder anders aus. Die Kriminalität ist verschwindend gering, jedoch gilt die Devise: Gib auf deine Sachen acht! Achtlos herum liegende Gegenstände werden gerne als Herrenlos angesehen. Das gilt auch für Haus und Hof. Wenn du für längere Zeit verreist, brauchst du einen Verwalter für dein Grundstück, sonst kann es passieren, daß bei deiner Rückkehr ein paar Teile den Beitzer gewechselt haben und z.B. deine Haustüre fehlt oder Fenster ausgebaut wurden. Man ist hier halt de Meinung, daß etwas daß längere Zeit von niemandem gebraucht wird, jedem zur Verfügung steht. Ich würde das nicht zwingend in die Kategorie Kriminalität einordnen, sondern eher in die Kultur und das meine ich ernst!

Zudem ist es ja einfach sich zu schützen, mach einen Zaun um dein Grundstück, schaff dir einen oder mehrere Hunde an und das Problem ist gelöst. Und während einer längeren Abwesenheit ist es ratsam einen Verwalter damit zu beauftragen, nach dem rechten zu sehen oder Freunde / Nachbarn zu fragen Haus und Hof zu hüten.