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Weshalb Paraguay?

Bienvenido

Da diese Frage immer mal wieder gestellt wird, habe ich mich entschlossen, darüber ein Paar Zeilen zu schreiben.

Die Frage ist nicht pauschal zu beantworten. Es hängt vor allem vom Entwicklungsstand des eigenen Lebens ab. Welches Leben möchte man erleben? Ist das Leben, welches man gerade lebt die Erfüllung? Oder gibt es draußen vielleicht noch etwas anderes. Vor 15 Jahren wusste ich noch nicht mal von der Existenz dieses Landes. Als ich vor einigen Jahren begann, das System zu hinterfragen und mich entgegen meines bisherigen Lebens mit politischen Dingen zu beschäftigen, stellte ich schnell fest, daß in Europa und vor allem Deutschland etwas faul ist. Daher dachte ich mir, daß es vielleicht eine gute Idee sei, sich einen Plan B zurecht zulegen. Also begann ich damit mir eine Liste mit Anforderungen zusammen zustellen, die ein geeigneter Ort für einen Plan B erfüllen müsse. Auf diese Art und Weise bin ich für mich darauf gekommen, Paraguay auszuwählen. Das soll nicht bedeuten, daß Paraguay das ultimative Land ist um auszuwandern, oder einen sicheren Ort zu wählen, sondern daß es für meine persönlichen Vorstellungen vom Leben am passendsten erscheint.

Bevor es jedoch los gehen sollte, wollte ich mir ein Bild machen. Ein Bild vom auserwählten Zielland und dessen Bewohnern, den tatsächlichen Begebenheiten vor Ort und vor allem um festzustellen, wäre ein solcher Schritt überhaupt etwas für mich. Die erste Reise nach Paraguay war zugleich auch mein erster Aufenthalt in Südamerika. Mit nahezu keinen Kenntnissen der spanischen Sprache war dies ein recht waghalsiges Unterfangen. Ein paar Brocken aus meinem bisherigen Leben und die Teilnahme an einem 2-monatigen Kurs wenige Jahre zuvor, waren zwar hilfreich, aber lange nicht genug um sich mit den Menschen vor Ort unterhalten zu können. Selbst wenn man sehr gutes Castillano spricht, gerät man hier schnell an seine Grenzen. In Paraguay gibt es zwei Amtssprachen, Castillano und Guarani. Guarani ist die Sprache der hiesigen Urbevölkerung, die ebenfalls Guarani -wie auch die Landeswährung- genannt wird. Die meisten Menschen sprechen demzufolge ein Mischmasch aus beiden Sprachen. Natürlich kommt man mit spanisch sehr gut klar, es reicht völlig aus um alle Lebenssituationen zu meistern. Ein Nachteil entsteht erst dann, wenn man mit mehreren einheimischen eine Unterhaltung führt, diese weichen dann sehr schnell in ihr gewohntes Kauderwelsch ab. Das ist etwa genauso, wie z.B. Rheinländer, Schwaben und Bayern sich gemeinsam Unterhalten, aber untereinander jedoch in ihre jeweiligen Dialekte abschweifen.

Meine Unterkünfte hatte ich vorab über das Luft-Bett-Frühstück-Portal gebucht und hatte das unglaubliche Glück, daß meine erste Gastgeberin im neuen Land perfekt englisch sprach. Da sie zudem noch einen Job in der Regierung hat, war diese Kombination für den Zweck meiner ersten Reise, nämlich den Behördenmarathon für die Erledigung der Einwanderungspapiere durchzuführen, ein besonderer Glücksfall. Doch dazu im separaten Artikel „Vorbereitungen“ mehr.

Die zweite Reise gestaltete sich bereits entspannter, da nicht mehr so viel Papierkram zu erledigen war, um endlich die ersehnte Cedula in den Händen zu halten. Dadurch hatte ich dann mehr Zeit die Gegend zu erkunden. Auch wohnte ich diesmal in Aregua, ein schönes Örtchen unmittelbar am westlichen Ufer des Ypacarai Sees gelegen. Von dort startete ich einige Touren entlang des Sees und durch die nähere Umgebung, teils mit dem Fahrrad, aber auch per Auto.

Bis hierhin gefiel mir was ich gesehen und gefühlt hatte. Die Menschen, das Klima, die üppige fast immergrüne Natur und vor allem die Ruhe und Entspannung, die man vorfindet, sobald man aus der Stadt raus ist. Asunción, die Hauptstadt des Landes ist entgegen des Landes und der Kultur, eher hektisch, laut – sehr laut und eben eine Großstadt, also wie jede andere Metropole auch, vollgestopft mit Fastfood Restaurants und Konsumtempeln. Nichts für mich. Paraguay bedeutet Ruhe, Erholung und voller Genuß der Natur. „Tranquilo”, immer mit der Ruhe, lautet die Devise hier, siehe hierzu auch diesen Beitrag.

Mit der Cedula in der Tasche und damit das Fundament für Plan B fertiggestellt, ging es dann zurück in die Heimat. Und obwohl es mir augenscheinlich dort gut ging, spürte ich mehr und mehr, daß meine Zeit an diesem Ort zu verweilen abläuft. Die politische Entwicklung und der steigende Drang nach einem selbstverantwortlichen Leben in Freiheit sorgten dafür, daß sich Plan B so langsam in einen Plan A entwickelte und mich in die Ferne zog.

Während der zweiten Reise hatte ich mich ausgiebig über die Kosten für Immobilien und Lebenshaltung informiert, so daß nun eine dritte Reise folgen sollte, um Ausschau nach einem geeigneten Stück Land zu halten. Grundstücke kann man in Paraguay in zwei grobe Kategorien einteilen. In dichter besiedelten gebieten gibt es sogenannte Lotes, die ca. 300 – 500 m² groß sind. Auf dem Land wird nur in Hektar gemessen, kleinere Stücke von z.B. 3, 5 oder 10 Hektar sind ebenso verfügbar wie große Areale von mehreren 100 Hektar für die Viehzucht.

Die Preise für Land sind -wie überall- zunächst von der Lage abhängig. Je näher ein Grundstück an der Stadt liegt, desto höher gestaltet sich der Preis. Für mich persönlich eher unverständlich; warum steigen die Grundstückspreise mit der Zunahme der Giftkonzentration? Oder anders ausgedrückt, weshalb zahlen Menschen freiwillig mehr für den Platz ihres Lebensmittelpunkts, je höher der Grad der Vergiftung, die Manipulation und der Freiheitsraub an diesem Ort ist?

Draußen im Campo ist es möglich, Land für unter 3.000 Euro pro Hektar zu bekommen, während es in der Stadt bereits mehrere tausend Euro für ein Lote kosten kann. Was Wohngebäude betrifft, ist es zunächst hilfreich zu wissen, daß das Leben in Paraguay hauptsächlich draußen stattfindet. Daher sind die Häuser hier auch dementsprechend gebaut. Während man in Deutschland eher Häuser mit 300 m² Wohnfläche und 10 Zimmern als angemessen ansieht, wohnt die ganze Familie hier auf vielleicht 50 oder 60 m². Im Haus selbst befinden sich eigentlich nur die Schlafplätze und die Küche, oder besser gesagt die Kochstelle, denn viele Arbeiten, die sonst in der Küche stattfinden, werden hier draußen erledigt. Ansonsten findet, wie bereits gesagt, das Leben meistens draußen statt. Der Paraguayer liebt es, vor seinem Haus unter einem Schatten spendenden Mangobaum zu sitzen und das Treiben auf der Straße zu beobachten. Bei fast ganzjährig sommerlich heißen Temperaturen ist es tatsächlich eine Wohltat sich unter dem Geäst eines immergrünen Mangobaum etwas Abkühlung und Ruhe zu verschaffen.